Merian I/XII: Die Eiförmige Grünrüsslerin

Eusomus ovulum. Skala 2mm. Foto Matthias Borer, NHMB 

In den 24 Stunden, die am GEO-Tag der Natur 2017 für die Suche nach Käfern aufgewendet wurden und deren Ergebnisse schon hier beschrieben sind, wurde auch ein Eiförmiger Grünrüssler Eusomus ovulum gefunden. Der grün beschuppte Rüsselkäfer kann nicht fliegen und bewegt sich daher nicht weit. Er liebt heisse und trockene Habitate und frisst offenbar an verschiedenen Kräutern. Seine Larve kennt man (noch) nicht, wird im Bericht über die Käferexpedition beschrieben. 

Eigentlich kann man gar nicht von Grünrüssler sprechen, sondern eher von Grünrüsslerin. Denn die Käfer-Art vermehrt sich bei uns nur durch Jungfernzeugung oder parthenogenetisch. Die Weibchen legen unbefruchtete, aber teilungsfähige Eier, aus denen nur Weibchen schlüpfen. Diese Fortpflanzungsstrategie ist bei Rüsslern, darunter besonders den Dickmaulrüsslern, nicht selten. Grünrüsslerinnen sind bisher eher wenig in der Schweiz angetroffen worden. Ausser in Basel gibt es nur noch gesicherte Fundstellen im Wallis und bei Genf.                                                            Fortsetzung folgt.

Meriangärten sind an Käfern reiche Insel

Vom Buntfarbenen Putzläufer über den Johanniskraut-Prachtkäfer bis zum Zahnschienen-Schwammfresser und Rindenrüssler: Die in der Brüglinger Ebene am Stadtrand von Basel liegenden Meriangärten sind eine Insel der Artenvielfalt im urbanen Raum Basels – auch was Käfer betrifft.

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Ganze 213 Käferarten aus 34 Familien sind am 16./17. Juni 2017 in nur 24 Stunden den auf Beobachtung ausschwärmenden, mit Kescher und Klopfschirm gerüsteten und auf der Lauer liegenden Koleopterologen begegnet. An jenem „GEO-Tag der Natur“, bei dem es ganz allgemein um die vorhandene Fauna ging, waren sie aus dem Naturhistorischen Museum Basel, dem Naturmuseum Solothurn und dem Forschungsinstitut für Biologischen Landbau FIBL von Frick zusammengekommen, um bei Tag, Dämmerung, Nacht und Morgengrauen herauszufinden, wer denn da unten in Brüglingen das riesige Reich der Käfer vertrete. Die Ausbeute war beachtlich. Die Lebensbedingungen sind für viele und auch seltenere Arten offenbar noch günstig.

Wie in den „Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaften beider Basel“ (Vol. 18/2018) jetzt berichtet wird, wurde mit Xylographus bostrichoides (pilzbewohnender „Holzschreiber“) ein Käfer erst zum zweiten Mal überhaupt gefunden.

Xylographus bostrichoides: Pilzbewohnender „Holzschreiber“. Wurde in den Meriangärten erst zum zweiten Mal in der Schweiz gesichtet. Skala 2 Millimeter. Foto Matthias Borer 

Auch andere Käferarte mit sehr zerstreutem und lückenhaftem Verbreitungsmuster in der Schweiz sind in Brüglingen anzutreffen.

Obwohl die Zahl der Begegnungen gross erscheint, dürfte in der kurzen Zeit im Juni nur ein Teil der wirklich übers Jahr in den 18 Hektaren grossen Meriangärten lebenden Käferschaft gefunden worden sein. Schliesslich kommt es darauf an, wer wie hinschaut und sammelt, heisst es im Bericht: Die Artenliste spiegle die Fachrichtungen der beteiligten Spezialisten und ihre Sammel- und Beobachtungsmethoden wieder, schreiben die Autoren Matthias Borer und Armin Coray vom Naturhistorischen Museum Basel, Christoph Germann vom Naturmuseum Solothurn und Henryk Luka vom FIBL in den Mitteilungen.

Bei der Expedition, bei der den vier Autoren noch Agata Luka, Daniel Küry und Marc Neumann beistanden, wurden die Käfer per Handfang auf dem Boden oder an Pflanzen gesammelt. Oder mit einem Saugapparat gefangen. Andere wurden mit Kescher (Netz am Stecken, siehe Bild) und Klopfschirm von den Pflanzen gestreift oder mit dem Käfersieb aus der Streu gesiebt. Manche der Tiere wurden später untersucht und identifiziert, fotografiert und eingeordnet.

Am Ende waren 42 Arten Rüsselkäfer, 38 Arten von Blattkäfern und 10 Arten von Baumschwämme bewohnenden Käfern bestimmt. Zahlreiche weitere Familien waren nur mit einer einzigen Art vertreten. Nimmt man die Zusammensetzung der aufgetretenen Käfer als Massstab, so scheinen die Meriangärten weniger ein Garten als eine Naturlandschaft zu sein, in der sich viele Wiesen- und Waldarten wohl fühlen. Nur Erdflohkäfer-Arten von Phyllotreta und zwei Arten Spargelhähnchen Crioceris wären für Garten typisch.

Die Einheimischen sind bei Merians unter sich. Auch eine gezielte Suche nach eingewanderten Neozoen blieb ergebnislos. Einzig ein 1979 erstmals beobachteter eingewanderter Dickmaulrüssler Otiorhynchus wurde neben einer einheimischen Art gefunden. Die Dickmäuler sind in städtischen Gärten häufig und darum lästig, weil sie sich von den ihren städtischen Gärtner(inne)n sozusagen ans Herz gewachsenen Blättern über Nacht ganz viele runde Stücke abbeissen und unansehnlich machen können.

Unter den bestimmten Käfern waren auch der Schnecken verzehrende Laufkäfer Abax parallelepipedus, oder der Blattlausvertilger Anchomenus dorsalis. Andere Laufkäfer wiederum helfen als Samenvertilger Unkraut zu bekämpfen. Zwölf Arten sind in dem Bericht genauer beschrieben. Wir werden sie von Merian I bis Merian XII in nächsten Postings und lockerer Folge vorstellen. Fortsetzung folgt…

Demnächst als Merian I: Die Eiförmige Grünrüsslerin Eusomus ovulum, die bei uns ohne Männchen auskommt und es gern heiss hat.

Eusomus ovulum (Skala 2mm) Foto Matthias Borer NHMB  

Museum feiert Dr. h.c. ARMIN CORAY mit Ausstellung

Dr. h.c. Armin Coray auf dem Martinsplatz nach der Ehrung.

Am Dies academicus 2018 hat die Philosophisch-Naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Basel den wissenschaftlichen Zeichner und Käferkenner Armin Coray mit einem Ehrendoktor geehrt, wie hier schon berichtet wurde. Am Freitagabend feierte das Museum die Ehrung und eröffnete eine feine Ausstellung (beim Walfisch), in der gezeigt wird, wie Armin Coray arbeitet, was er an Werkzeugen benutzt und wie unendlich feingliedrig seine Zeichnungen, aber eigentlich eben auch seine Objekte sind. Armin Coray ist natürlich auch Mitglied des Vereins Käfer für Basel.

Als aussenstehender Laie kann man sich vorstellen, wieviel Geduld und welch ruhige Hand es braucht, um all die feinen Härchen, Einbuchtungen, Gliederchen und wunderbare Ausstattung aufs Blatt zu bringen. Und das so genau wie möglich. Denn diese Zeichnungen sind Teil von wissenschaftlichen Publikationen und der Beschreibung von Arten. Das Zeichnen ist ein wichtiger Teil der Beschreibung. Hier schaut erstmals jemand ganz genau hin.

Armin Coray hat sich um viele Insekten zu kümmern. Lebend hat ihn besonders der einst am Sankt-Johann-Rheinbord wohnende und darum als Basler Einwohner besonders berühmte Erdbockkäfer beschäftigt . Er kennt auch die letzten übrig gebliebenen und bekannten Standorte in der Region. 

Den Erdbockkäfer hat Armin Coray auch sehr schön ins Bild gesetzt, wie man hier auf der Sonderpublikation zum Erdbockkäfer sieht: 

Auch fotografieren kann er.

Im Museum wurde der neue Ehrendoktor gebührend von seinen Kolleginnen und Kollegen gefeiert. Von Museums-Codirektor Basil Thüring etwa in Anwesenheit von Freunden und zugewandten Orten, besonders aber der Entomolog(inn)en Daniel Burckhardt, Matthias BorerEva Sprecher, Isabel Zürcher und Freundinnen und Freunden wie Muschelseide-Spezialistin und deswegen bereits früher mit einem Dr.h.c geehrten Felicitas Maeder , aber auch des Käfern zugewandten emeritierten NLU-Professors Peter Nagel sowie des NLU-Professors Bruno Baur.

 

Unter den „Augen“ des Walfischs (nicht auf dem Bild): Feier für Dr. h.c. Armin Coray im Naturhistorischen Museum in der kleinen aber feinen Ausstellung „Beobachten, Zeichnen, Bestimmen“. Vorne: Basil Thüring  links, Armin Coray rechts.

Hier noch ein ein Blick auf Werkzeuge und Zeichnungen:

Detail
Erdbockkäfer
Die Werkzeuge und Objekte – natürlich längst nicht immer Käfer

Armin Coray Basler Ehrendoktor

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Am Dies academicus 2018 wurde heute Armin Coray von der Phil-II-Fakultät ein Ehrendoktor verliehen. Armin Coray ist als Käferkenner und wissenschaftlicher Zeichner an zahlreichen Projekten der Entomologie am Naturhistorischen Museum beteiligt. Er hat auch die beste Kenntnis vom Erdkäfervorkommen in der Region. Wir gratulieren unserem Mitglied zur Ehre. (Armin Coray, war auch schon Star in einem NZZ-Video.)

Die Universität Basel berichtet darüber so:
Der wissenschaftliche Zeichner Armin Coray wurde mit dem Ehrendoktor der Philosophisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät ausgezeichnet. Als Naturbeobachter mit hervorragenden Kenntnissen in der Insektenkunde hat er wesentlich zur Unterscheidung der Arten, zum Wissen über die Verbreitungsgebiete sowie zur Kenntnis der Lebensweise von Heuschrecken und Käfern beigetragen. Erwähnt wurde auch, dass Coray durch die jahrzehntelange Zusammenarbeit mit der Universität Basel und dem Naturhistorischen Museum Basel auch die Erforschung von stark gefährdeten Arten gefördert hat.

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Blick in sonst verborgene Schätze

Naturhistorische Museen sind lehrreiche Schaukästen zu naturgeschichtlichen Themen. Das ist das, was wir als Besucher sehen. Aber Ihr eigentliches Kapital, mit dem sie wuchern können, sind ihre zum Teil riesigen, einmaligen und unersetzlichen  Sammlungen. Sie sind unverzichtbar für die Forschung und können immer wieder neu befragt werden. Auch in Zukunft. Ohne sie wäre ein Museum so gut wie tot.


Die Swiss Systematics Society,  die Gesellschaft der Lebewesen einordnenden Wissenschaffenden,  hat einen Tag der Naturhistorischen Sammlungen ausgerufen. Kommenden Samstag, dem 17. November,  sind Sammlungen von 13 Uhr bis 17 Uhr auch Thema in Basels Naturhistorischem Museum.

Gezeigt wird ein Teil dessen, was in sieben unterirdischen Stockwerken auf dem Münsterhügel aufbewahrt wird. (Die Käfer sind allerdings in den Spenglerpark in Münchenstein ausgelagert und nicht Teil des Tages.) Aber um 14 Uhr wird Seraina Klopfstein, Kuratorin der Insektensammlungen des Museums, auftreten.
Im geplanten neuen Museum sollen die Sammlungen übrigens für Besucherinnen und Besucher sichtbarer werden.

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Hier das ganze übrige Programm.

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Neu im Vorstand: Christoph Germann

Am Donnerstag, dem 8. November 2018,  hat in Anwesenheit des gesamten Vorstands die Generalversammlung 2018  des Vereins Käfer für Basel stattgefunden und neu den Kurator der Käfersammlung Georg Frey – Christoph Germann – in den Vorstand gewählt. Portrait von Christoph Germann

Er ist Spezialist für Rüsselkäfer und hat schon einiges forschend geleistet, wie man hier sieht. Die Mitglieder werden über die übrigen Geschäfte per Protokoll orientiert.

EINLADUNG ZUR GV vom 8. November 2018 18.00 Uhr pünktlich

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Prachtskäfer. Wenn Flugzeuge sich so färben würden… Leben in morschem und frischem Holz, werden oder wurden auch als Schmuck getragen.

Wo: Im Seminarraum des Naturhistorischen Museums Basel
Bitte rechtzeitig beim Haupteingang erscheinen, da ausserhalb der offiziellen Öffnungszeiten

Die GV ist offen auch für interessierte Nichtmitglieder und neue potentielle Mitglieder.
Bitte anmelden (siehe unten)

TRAKTANDEN

  1. Begrüssung / Erfassung der Stimmberechtigten Giovanni Bonavia
  2. Protokoll der GV vom 26. Januar 2018 
  3. Jahresbericht des Vorstandes Terry Inglese/Jürgen Vogt/Giovanni Bonavia 
  4. Kasse und Revisorenbericht Terry Inglese/Christoph Heuberger 
  5. Entlastung des Vorstandes und Wahl des Vorstandes und Revisor
    (Tagespräsident Martin Hicklin) 
  6. Jahresprogramm 2018/19 Giovanni Bonavia
  7. Festlegung des Mitgliederbeitrages und Budget Terry Inglese
  8. Vorstellung der neuen Experten am Museum für die wissenschaftliche Betreuung und Pflege der Käfersammlungen
    Dr. Christoph Germann, Kurator Sammlung Frey
  9. Langfristige Vision/Unterbringung für die Käfersammlungen
  10. Fragen / Anregungen zur Aufgabe und Profilierung unseres Vereins
  11. Gemütliches Zusammensitzen beim Apéro

 

Bemerkungen

  • Es wird vorgeschlagen, den Mitgliederbeitrag auf mindestens 40.- Fr pro Jahr zu erhöhen
  • Unsere Mittel sollen verwendet werden für öffentliche käferspezifische Vorträge, Ausflüge,
    PR für Führungen durch die Sammlungen sowie Unterstützung von Projekten der Käferspezialisten
  • Das Potenzial der Zusammenarbeit mit anderen auf Insekten fokussierten Vereinen soll evaluiert und falls sinnvoll benützt werden
  • Ein attraktiver Flyer ist in Ausarbeitung und sollte an der GV vorgestellt werden können.
    Ziel: Auf den Verein aufmerksam machen und Neumitglieder werben.

Liestal, den 15. Oktober 2018

bonavia@eblcom.ch Giovanni Bonavia Kanzelweg 2 4410 LIESTAL 061 921 02 32

Mit einer Anmeldung an mich erleichtern Sie uns die Organisation des Apéros
Danke
Giovanni Bonavia
Präsident

 

Museum in Flammen

So sieht es aus, wenn ein Museum mit Millionen Sammlungsstücken in Flammen aufgeht: Ein Bild des Schreckens.

In der Nacht auf Montag, den 3. September 2018, ist das Nationalmuseum Brasiliens in Rio de Janeiro vollständig abgebrannt. Das Entsetzen ist gross, der Schaden unermesslich und vor allem – nicht zu ersetzen. Brasilien ist eines wichtigen Teils seines Kulturerbes beraubt. Angeblich sind Millionen Stücke zerstört. Naturobjekte, darunter wohl auch Käfer, aber auch anthropologische und ethnologische Stücke sind für immer verbrannt. Was allenfalls gerettet werden konnte, wird sich zeigen. Bereits hat auf Twitter eine Sammlung von digitalen Aufnahmen der Museumsstücke begonnen.

Wie immer nach einem solchen Brand realisiert man (und auch wir haben ein Stück Erbe verloren) vor den Aschenhaufen, was alles für immer verschwunden ist. Das Beipiel zeigt, wie wichtig es ist, in jeder Beziehung zu den Kulturgütern – und dazu gehören auch Natursammlungen – Sorge zu tragen und sie zu pflegen. Man hat sie nur einmal und es sind noch viele Generationen – hoffentlich – die vom Fleiss und der Sorgfalt ihrer Vorgänger und Vorgängerinnen profitieren.

Gilt nicht nur für unersetzliche Käfersammlungen, versteht sich. Aber auch.

Und so hat es in Rio vorher ausgesehen: