Museum in Flammen

So sieht es aus, wenn ein Museum mit Millionen Sammlungsstücken in Flammen aufgeht: Ein Bild des Schreckens.

In der Nacht auf Montag, den 3. September 2018, ist das Nationalmuseum Brasiliens in Rio de Janeiro vollständig abgebrannt. Das Entsetzen ist gross, der Schaden unermesslich und vor allem – nicht zu ersetzen. Brasilien ist eines wichtigen Teils seines Kulturerbes beraubt. Angeblich sind Millionen Stücke zerstört. Naturobjekte, darunter wohl auch Käfer, aber auch anthropologische und ethnologische Stücke sind für immer verbrannt. Was allenfalls gerettet werden konnte, wird sich zeigen. Bereits hat auf Twitter eine Sammlung von digitalen Aufnahmen der Museumsstücke begonnen.

Wie immer nach einem solchen Brand realisiert man (und auch wir haben ein Stück Erbe verloren) vor den Aschenhaufen, was alles für immer verschwunden ist. Das Beipiel zeigt, wie wichtig es ist, in jeder Beziehung zu den Kulturgütern – und dazu gehören auch Natursammlungen – Sorge zu tragen und sie zu pflegen. Man hat sie nur einmal und es sind noch viele Generationen – hoffentlich – die vom Fleiss und der Sorgfalt ihrer Vorgänger und Vorgängerinnen profitieren.

Gilt nicht nur für unersetzliche Käfersammlungen, versteht sich. Aber auch.

Und so hat es in Rio vorher ausgesehen:

Rüsselkäfer in Trümmern

Rüsseltrümmer

So sieht ein Rüsselkäfer aus, wenn er zu Boden fällt. Natürlich nur sein Modell. Die Scherben sind keine. Wie im folgenden Video gezeigt wird, kann man in einem Tomogramm eines Käfers alle seine Bestandteile darstellen und einfärben. Wie es das deutsche NOVA-Programm jetzt mit vielen Insekten tut. Zweitausend solche Modelle aus Schnittbildern sollen es bis 2019 werden. Nova ist die Abkürzung für „Netzwerk für synergistische Visualisierung von Tomografiedaten“. So können wir vielleicht uns einen Käfer drucken…

 

Hier  erklärt Michael Heethoff in einem Interview mit Olaf Zimmermann von „Welt der Physik“, worum es geht. (Von hier haben wir auch die Bilder…)

Käfersammlung Georg Frey wird noch baslerischer

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Es ist soweit. Gestern Dienstag, am 14. Mai 2018, sind die Käfer der Sammlung Georg Frey definitiv Basler Käfer geworden. Die Münchner Käfer – bisher als Dauerleihgabe im Museum – sind in Basler Besitz übergegangen. Die Regierung des Kantons Basel-Stadt hat den alten Verpflichtungen, zum Beispiel für den Unterhalt und die Pflege sowie wissenschaftliche Betreuung der Sammlung zu sorgen oder sorgen zu lassen, neu zugestimmt. (Hier die Medienmitteilung des Museums.)

Die über zwei Millionen Käfer des Sammlers Dr. h.c. Georg Frey waren 1987 von der Witwe des Sammlers dem Museum für  2300 000 D-Mark angeboten worden. Um dieses Geld zusammenzubringen (oder es zumindest zu versuchen) wurde ein Verein Käfer für Basel gegründet, dessen Präsident der damalige Leiter der Entomologie am Museum, Michel Brancucci, wurde. Weil aber der Freistaat Bayern, um die Käfer am Entweichen zu hindern, sie kurzerhand zu deutschem Kulturgut erklären liess, waren Verkauf und Ausfuhr vorerst praktisch verunmöglicht.

Im Nachhinein war der strategische Zug des Freistaats Bayern und des deutschen Staates ein Glücksfall. Denn die Witwe ärgerte sich so sehr, dass sie dem Verein die Sammlung schliesslich in einem Erbvertrag vermachte. Als sie verstarb, fiel die Sammlung an den Verein. Nachdem Gerichte in allen Instanzen bestätigt hatten, dass die Witwe das Recht gehabt hatte, die Käfer zu vererben, konnte die Sammlung 1997 nach Basel ans Museum gebracht werden. Der Verein Käfer für Basel sah sich am Ziel.

Weil der deutsche Staat nicht mit einem Verein verhandeln mag, wurde eine Stiftung gegründet, die nun vom Verein die Käfer übertragen erhielt, um sie dann  dem Museum mit Zustimmung des Kantons als Dauerleihgabe zu übergeben.  Die Stiftung wurde noch vom Verein mit 5000 Franken Stiftungskapital ausgestattet. Der Stiftungsrat begleitete die Arbeiten an der Sammlung. Vertreten waren neben dem Museum auch die Familie und das deutsche Kulturministerium sowie der Verein. Die deutsche Seite hatte für eine nur ausnahmsweise erteilte definitive Ausfuhrbewilligung verschiedene Forderungen gestellt, etwa dass die Sammlung inventarisiert wird. Heute sind alle Forderungen der deutschen Seite erfüllt. Auch die wertvolle Bibliothek ist inzwischen von der Universitätsbibliothek katalogisiert. Die Käfer sind im gekühlten Depot im Spenglerpark mit anderen Insekten und Teilen der zoologischen Sammlung aufbewahrt.

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Barbara Frey unterzeichnet Erbvertrag mit dem Verein Käfer für Basel.

Das Kapital der Stiftung wurde in den Jahren nachher durch die exorbitanten Prüfungs- und Publikationskosten aufgefressen. Wegen Mangel an Kapital wurde die Stiftung liquidiert und die eben abgesegnete Lösung getroffen. Dass der Kanton die ohnehin in seinem Museum aufbewahrten Käfer übernimmt und die alten Verpflichtungen neu besiegelt. Auch die deutsche Seite und die Familie Frey waren mit dieser Lösung einverstanden.

Der Verein Käfer für Basel ist gegenwärtig energisch daran, sich dem bereits 1997 gesetzten neuen Ziel zu widmen und das allgemeine Wissen um Käfer und Insekten zu mehren und arbeitet an entsprechenden Programmen. Neue Mitglieder mit Ideen sind sehr willkommen.

Martin Hicklin, alt Präsident des Vereins

Matthias Borer, Käferexperte und Leiter der Biowissenschaften im Museum zeigt in Münchenstein Käferschätze aus der Sammlung Frey.

Eine Broschüre über die Sammlung Frey und den Sinn und Zweck solcher Sammlungen lässt sich hier herunterladen.

Rosenbesucher

Auf Spaziergang im Baselbiet oberhalb Maisprach angetroffen.


Es ist – so sagt Eva Sprecher von der Entomologie das Naturhistorischen Museums und für die Sammlung Frey im Museum zuständig – der Gefleckte Schmalbock (Rutpela maculata), ein relativ häufiger Bockkäfer. Die erwachsenen Tiere sind Blütenbesucher und ernähren sich von Nektar und Pollen, die Larven entwickeln sich in morschem Laubholz.

Leuchtkäfern auf der Spur: Vortrag mit Hans Niederhauser am 31. Mai in Hölstein

Das Video stammt von der Website des MuseumBL.

Am Donnerstag, dem 31. Mai, ab 19 Uhr 30 erzählt Hans Niederhauser – Fotograf und Naturforschender aus Lausen – in der Bürgerstube der Mehrzweckhalle Hölstein unter dem Titel

Leuchtkäfer(Glühwürmli): Sie fliegen und kriechen und sind verschieden

über das Leben dieser bewundernswert ausgerüsteten Käfer, die man unglücklicherweise auch Würmchen nennt. Hans Niederhauser ist ihnen auf der Spur und kann sagen, wo man sie – im Wilden Baselbiet – an warmen Abenden beim Blinken antreffen und beobachten kann.

Der Unkostenbeitrag beträgt 10 Franken.

 

Königin unter Käfern

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Eine interessante Geschichte hat Spektrum der Wissenschaft zu bieten. Lars Fischer schreibt über eine Publikation in „Nature Ecology & Evolution“, in der unter anderem vom Weibchen des australischen Ambrosiakäfers Austroplatypus incompertus erzählt wird, das zur Königin eines Käferstaats in einem Eukalyptus-Baum werden kann und das Privileg der Fortpflanzung besitzt, während andere Staatsmitglieder mal einfach für das Wohl des grossen Ganzen und der Chefin arbeiten (müssen). Die soll immerhin vierzig Jahre alt werden. Die Wissenschafterinnen und Wissenschafter der Western University machen sich aber auch Gedanken über die Rolle von Sex, Monogamie und Evolution. Spannend.

Das Bild stammt aus einer Arbeit zu Larvenstadien von Austroplatypus incompertus. Links a und b sind Weibchen, rechts c und d, Männchen gezeichnet. Das Beispiel zeigt, wie ausführlich und sorgfältig eine wissenschaftliche Käferbeschreibung aussieht (englisch).

Brief an die Mitglieder

Liebe Mitglieder des Vereins Käfer für Basel

Giovanni Bonavia

An der Generalversammlung unseres Vereins wurde ein neuer Vorstand gewählt, da der bisherige Präsident Martin Hicklin und alle anderen Vorstandsmitglieder ihre Demission erklärten. Zunächst einmal sei diesen Damen und Herren, insbesondere Martin Hicklin, ein ganz grosses Dankeschön ausgesprochen, haben sie doch den Verein durch eine Periode des Umbruchs geführt. In dieser Periode des Wandels hat die Käfersammlung Georg Frey nicht nur ein bleibendes Zuhause gefunden, sondern darüber hinaus mit der Wiederbesetzung der Kuratorenstellen in der Entomologie eine gute Basis für die erfolgreiche Weiterführung des Unterhalts der Sammlung und der aktiven Forschung mit seinen rund vier Millionen Käfern. Damit war eines der Hauptaufgaben des Vereins Käfer für Basel aus den Gründertagen vollumfänglich erfüllt. In der Diskussion, ob jetzt ein geeigneter Zeitpunkt zur Auflösung des Vereins gekommen sei, sind doch etliche Argumente vorgetragen worden, dass der Verein sehr wohl unterstützend zur Weiterverbreitung von Wissen und Interesse an Käfern in der Bevölkerung, insbesondere unter den Jugendlichen, eine lohnende Aufgabe weiterführen soll. In diesem Sinne wählte die Generalversammlung einen neuen Vorstand mit Giovanni Bonavia (Präsident), Terry Inglese (Kasse) und Jürgen Vogt (Aktuar). Die bisher Aktiven im Verein haben dem neuen Vorstand weiter ihre Unterstützung zugesagt. (Ein Protokoll der Generalversammlung vom 26. Januar 2018 findet sich hier.)

Im Sinne der Zielsetzungen des Vereins sollen ein bis zwei öffentliche Vorträge pro Jahr organisiert werden, einer davon anlässlich unserer Generalversammlung, die neu am  Donnerstag, 8. November 2018 (statt 20. September) stattfinden soll (bitte, diesen Termin schon jetzt reservieren). Daneben werden die Führungen in die Sammlung und Feldausflüge für ein allgemeines Publikum und insbesondere für Schulklassen und Gruppen fortgeführt und ausgebaut. Dabei wird mit der tatkräftigen Unterstützung der gegenwärtigen Mitglieder des Vereins gerechnet, die auch aufgerufen sind, neue Mitglieder zu werben, die hier  angemeldet werden können. Bitte, unterstützen Sie weiterhin den Verein, indem Sie den Mitgliederbeitrag für 2018 (laut Statuten „mindestens“ CHF 20.00) auf unser Konto bei der

Safra Sarasin Bank
PC 40-106-2
zugunsten
Käfer für Basel, Augustinergasse 2,
4001 Basel
IBAN CH62 0875 0004 5483 9100 0

überweisen.

Wenn Sie Ideen haben, wie Sie den Verein und den Vorstand bei der Umsetzung der Ziele des Vereins unterstützen können und / oder eigene Ideen und Projekte realisieren möchten und dabei gegebenenfalls Unterstützung vom Verein brauchen könnten, dann kontaktieren Sie doch einfach den Vorstand über bonavia@eblcom.ch oder
061 921 02 32.

Der Vorstand wir hart daran arbeiten, neue Ideen und Aktionen aufzunehmen. Wir freuen uns über jede Kontaktaufnahme mit Ihnen und auf alle Rückmeldungen.

Liestal, März 2018

für den Vorstand
Giovanni Bonavia