Käfer in der Schweiz bedroht

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Purpurbock Purpuricenus kaehleri, Foto Beat Wermelinger/Bafu

Der Artenreichtum der Käfer nimmt in der Schweiz rapide ab. Das teilt das Bundesamt für Umwelt besorgt mit. Anlass ist die Ausgabe einer Roten Liste für Pracht-, Bock-, Rosenkäfer und Schröter., die bedenkliche Rückgänge listet.

Bereits gibt es viele Käfer nur noch in den Museumssammlungen. Was auch heisst, ceterum censeo, dass man zu diesen wenigstens höchste Sorge tragen muss.

Hier das Titelblatt der Roten Liste, die mit vielen Daten, Bildern und Erklärungen aufwartet:

titelroteliste

Von den 256 bewerteten Arten der Prachtkäfer, Bockkäfer, Rosenkäfer und Schröter befinden sich 118 (46%) gemäss IUCN-Kriterien auf der Roten Liste und 47 (18%) werden als potentiell gefährdet (NT) eingestuft. Mit der vorliegenden Roten Liste werden die behandelten Käferfamilien zum ersten Mal bewertet. Die meisten Arten dieser Kategorien leben in Auen- und Laubwäldern tiefer Lagen und ihren Waldrändern (Mantel und Saum). Die vorliegende Rote Liste informiert Förster, Landwirte und Grünflächenmanager in Siedlungen über die zur Verfügung stehenden Instrumente für die Erhaltung und Revitalisierung der biologischen Vielfalt von naturlichen und naturnahen Gehölzlebensräumen.

Das pdF der Roten Liste findet sich hier.

Die Mitteilung des Bundesamts, das im Namen des für die Biodiversität eintretenden Bundesrates spricht, fasst die Lage zusammen:

Biodiversitätsverluste: Einheimische Käfer- und Pflanzenarten stark unter Druck

Bern, 13.09.2016 – Das Bundesamt für Umwelt hat erstmals eine Rote Liste zu vier Familien der einheimischen holzbewohnenden Käferarten der Schweiz erstellt. Sie lässt aufhorchen: Fast die Hälfte dieser Käferarten ist gefährdet. Gleichzeitig zeigt die revidierte Rote Liste der Blütenpflanzen, Farne, Bärlappe und Schachtelhalme, dass es diesen Pflanzen nicht viel besser geht: Bald ein Drittel dieser Gefässpflanzenarten ist gefährdet. Seit ihrer letzten Evaluation 2002 hat sich ihr Zustand gar verschlechtert.

 

Wie sehr einheimische Arten durch die Veränderungen ihres Lebensraums unter Druck geraten, verdeutlicht die neu erschienene Rote Liste der holzbewohnenden Käferarten der Schweiz des Bundesamts für Umwelt BAFU. Die Erkenntnisse sind alarmierend: Rund 46% der 256 untersuchten Käferarten sind gefährdet – d.h. sie könnten aussterben – weitere 18% sind es potenziell. Im Vergleich zum Durchschnitt  der gefährdeten Arten aller bislang untersuchten Tiere und Pflanzen (36%) sind holzbewohnende Käfer deutlich stärker bedroht.

Die zeitgleich revidierte Rote Liste der Gefässpflanzen lässt ebenfalls aufhorchen: 28% der rund 2700 einheimischen Pflanzenarten, welche Blütenpflanzen, Farne, Bärlappe und Schachtelhalme umfassen, sind gefährdet, 16% potenziell. Im Vergleich mit der letzten Auswertung von 2002 wurde die Verschlechterung nur bei einem Drittel der damals gefährdeten Arten etwas abgebremst, während über 200 Arten heute in schlechterem Zustand sind. Diese ernüchternde Bilanz zeigt, dass die Erhaltung und Förderung der einheimischen Arten weiterhin und verstärkt Aufmerksamkeit verlangt.

Arten brauchen genug Lebensräume mit Qualität

Jede Art braucht geeignete Lebensräume, welche jedoch durch menschliche Aktivitäten in ihrer Qualität beeinträchtigt werden oder verloren gehen. Gerade die vier untersuchten Familien der Pracht-, Bock-, Rosen- und Hirschkäfer bevorzugen Lebensräume, die in der Schweiz selten geworden sind: Auenwälder, Alt- und Totholzbestände, lichte Wälder, strauchreiche Waldränder und Hecken. Als Recycler und Zersetzer von Holz sind sie für das Gleichgewicht des Ökosystems Wald unverzichtbar. Viele dieser gefährdeten Käferarten sind auf sehr alte Bäume angewiesen, die immer seltener zu finden sind. Deshalb ist es wichtig, alte Bäume als Lebensraum für solche Tiere nach Möglichkeit bis zum Zerfall stehen zu lassen, wo nötig zu pflegen statt zu fällen und rechtzeitig für die Ablösung zu sorgen.

Der Artenrückgang bei den Gefässpflanzen betrifft vor allem die Pflanzenarten am und im Wasser, in Trockenwiesen, Gebüschen und Hecken sowie in Äckern und Weinbergen. Besonders betroffen sind dabei Siedlungsgebiete und Kulturland: Wo Böden mit Stickstoff übersättigt sind, werden anspruchsvolle Arten verdrängt.

Förderung der Artenvielfalt

Einige der untersuchten heimischen Käferarten reagieren extrem empfindlich auf Umweltveränderungen. Sie sind daher wie die Gefässpflanzen gute Indikatoren für den Zustand der Biodiversität. Basierend auf Roten Listen und Inventaren anderer Arten setzen Bund und Kantone bereits biodiversitätsfördernde Massnahmen im Wald und in der Landwirtschaft um, die jedoch weiter verstärkt werden müssen. Konkret heisst das, Lebensräume sollen aufgewertet, Altbäume so lange wie möglich erhalten sowie Waldreservate, Altholzinseln und gestufte Waldränder geschaffen werden und die Baumpflege schonend erfolgen. Stickstoffeinträge sollen vermindert werden.

Der Bundesrat zielt seit 2012 mit seiner Strategie Biodiversität Schweiz und dem dazugehörigen, in Vorbereitung stehenden Aktionsplan darauf ab, den Biodiversitätsverlusten entgegenzuwirken. Eine erfolgreiche Umsetzung der Strategie verlangt eine breit abgestützte Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure.


Adresse für Rückfragen: Francis Cordillot, Abteilung Arten, Ökosysteme, Landschaften BAFU, Tel. 058 464 01 38, francis.cordillot@bafu.admin.ch


Man kann auch was tun:

Ein Faktenblatt die holzbewohnenden Käfer betreffend findet sich hier

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