Zeichnen heisst erkennen

Akribie, Hartnäckigkeit, Scharfsichtigkeit und vor allem eine Menge Geduld muss ein wissenschaftlicher Zeichner mitbringen, soll die Abbildung des Objekts alle Ansprüche befriedigen. Die sind hoch, wenn einer wie Armin Coray etwa einen Käfer unter das Mikroskop nimmt und Punkt für Punkt in einer Schwarzweiss-Zeichnung wieder auferstehen lässt. Wochen von Arbeit stecken am Ende in einem solchen Bild, das wissenschaftlichen Ansprüchen genügt, will heissen, die Erscheinung eines Käfers bestimmter Art ein für alle Mal festhält. Dass dabei auch Zeichnungen von Details wie Fussgliedern, Flügelenden und Kopfpartien erstellt werden, erweitert das Bild.
Fasziniert hat eine exklusive Schar von Interessierten Armin Coray am Mittwochabend im Naturhistorischen Museum zugehört, wie er in grossem Bogen über die Darstellung von Insekten bis heute referierte und schliesslich auch Einblicke in seine eigene Arbeit gab. Coray gehört zu den besten seiner Gilde und den Ehrendoktor der Universität Basel beflügelt ein grosses Interesse für die Entomologie. Was nicht heisst, dass er nur Käfer ins Bild setzt. Auch Grasschrecken und Fliegen zaubert er auf Papier und selbst fossile, in Bernstein gefangene und bewährte Insekten befreit er zeichnerisch von ihrer goldschimmernden Hülle.
Coray hat als Dozent in Zürich sein Wissen weitergegeben und Prof. Niklaus Heeb, selbst bekannter wissenschaftlicher Zeichner und Dozent für Knowledge Visualization an der Zürcher Hochschule der Künste, bezeugt, dass er von Armin Coray viel gelernt habe.
Zeichnen heisst Erkennen. Den Satz könnte man sich glatt auch als Laie zum Motto machen und statt ewig mit dem Handy tausend Sehenswürdigkeiten für den Speicher zu fotografieren, mit weichem Stift auf dem Skizzenblock ein einzelnes Objekt in allen Details festhalten. Man muss ja nicht gleich ein Coray sein.

Insekten zeichnen mit Dr. h.c. Armin Coray

Vereinspräsident Giovanni Bonavia und Vorstand laden Mitglieder und Interessierte zu einem Vortrag von Vereinsmitglied und wissenschaftlichem Zeichner Dr. h.c. Armin Coray auf den Mittwoch 18. September, 19 Uhr, ins Naturhistorische Museum Basel ein.

Armin Coray, erfahren und bekannt als wissenschaftlicher Zeichner wird über Sinn und Zweck seiner Aufgabe berichten. Anschliessend besteht bei einem Apero Gelegenheit zu Austausch und Diskussion. Achtung: Die Türe des Museums bleibt bis 19 Uhr geöffnet.

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Basler Käferspezialist findet seit 120 Jahren verschollenen Käfer – in Bern

Christoph Germann

Christoph Germann, Käferforscher am Basler Naturhistorischen Museum und Mitglied im Vorstand des Vereins Käfer für Basel ist im Botanischen Garten Bern im Rahmen einer Artenzählung auf einen seit 120 Jahren verschollenen Blattkäfer gestossen. Das sprunghafte Tierchen sass im Heilkräutergarten auf einem Meerrettich. Das berichtet das Regionaljournal Bern. In der Sendung erzählt Christoph Germann, wie er dem Sechsbeiner begegnet ist und warum die Bestimmung beinahe in die Hose gegangen wäre.

Hier geht es zum Bericht und den Links zur Sendung. Und Christoph Germann erzählt hier von seinem Fund.

Die Resultate der grossen Artenzählung will der Berner Botanische Garten am 25. und 26. Mai der Öffentlichkeit an einem 24 Stunden-Thementag (von 18 Uhr bis 18 Uhr) zur Artenvielfalt des Gartens präsentieren.

Der Blattflohkäfer Phyllotreta armoraciae. Foto Christoph Germann

Mit 11 800 000 Objekten rückt Basler Naturhistorisches Museum unter die ersten 50 von weltweit 7000

Weissgefleckter afrikanischer Fruchtkäfer aus der Sammlung Georg Frey. Foto Gregor Brändli

Das Basler Naturhistorische Museum hat seine Bestände nochmals Genauer analysiert und sieht sich nun mit schätzungsweise 11,8 Millionen Objekten (statt bisher acht) unter den ersten 50 jener 7000 Institutionen der Welt, die naturwissenschaftliche Kollektionen pflegen und bergen. Das teilt das Museum in einer Medienmitteilung mit.

Wir freuen uns, dass da auch die bedeutenden Insektensammlungen des Basler Museums zum hervorragenden Rang des Hauses im internationalen Vergleich beitragen. Nicht zuletzt dank der 1997 in Basel vom Verein Käfer für Basel ins Museum verbrachten unvergleichlichen Käfersammlung von Dr. Georg Frey mit zwischen zwei und drei Millionen sorgfältig dokumentierten Tieren. Die Bestände sind zusammen genommen so beeindruckend, dass in diesem Aspekt das Basler Museum – was Käfer betrifft – wohl weltweit schon in den ersten fünf Rängen einzuordnen ist.

Im geplanten Neubau im Sankt Johann werden sie – aus ihrem kühlen Exil in Münchenstein – ins Museum zurückkehren können und ab und zu auch der besuchenden Öffentlichkeit zugänglich werden. Vorausgesetzt das Basler Stimmvolk sagt – hoffentlich – Ja zum Projekt.

Merian V/XII: Der Walzenförmige Schleimpilzkäfer

Sphindus dubius (Gyllenhal, 1808) Walzenförmiger Schleimpilzkäfer. Foto Matthias Borer NHMB

Oft sind Käferfamilien unglaublich reich an verschiedenen Arten. Nicht aber die vergleichsweise winzige Familie  der Sphindidae. „Nur“ 67 Arten hat die Familie und nur vier davon wurden in Europa angetroffen. Vielleicht weil niemand hingesehen hat oder wenn, sich mit Käfern nicht auskannte.  Zwei davon kommen in der Region um Basel vor. Sphindus dubius frisst als Larve und ausgewachsenes Tier (als Imago) an den Fruchtkörpern des Hexenbutters oder der Gelben Lohblüte Fuligo septica (siehe folgendes Bild)

Hexenbutter in Hessen. Bild Ulrich Nagel/Wikipedia.

und anderen Schleimpilzen. In den Meriangärten fand man am GEO-Tag der Natur 2017 gleich zwei Mal den Hexenbutter. Scheinbar käferfrei. In einer Probe fand sich nur gerade ein einziger Moderkäfer der Art Enicmus rugosus

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist Enicmus%20rugosus.jpg.
Moderkäfer Enicmus rugosus
Bild UK Beetle Recording


. Die Probe wurde mitgenommen und schon im Juli zeigten sich weitere Exemplare. Dann erst tauchte auch der Sphidnus dubius in immer grösserer Zahl auf. Offenbar waren Eier oder Junglarven im Pilz bereits vorhanden gewesen. Am Ende waren es ganze 90 Schleimpilzkäfer, die sich im leuchtend gelben Pilz entwickelt hatten. Vielleicht aus Eiern, oder Junglarven.

Merian IV/XII: Der Rindenrüssler

Lebt verborgen und oft mit Ameisen zusammen: Der Rindenrüssler Dryophtorus corticalis

Der Rindenrüssler aus der artenreichen Familie der Rüsselkäfer (Curculonidae), den man am GEO-Tag der Natur 2017 in den Meriangärten gefunden hat, ist in die ganze Welt verschleppt worden und kommt darum auch fast in allen Regionen der Schweiz vor. Dennoch begegnet man ihm selten, weil er eine bestimmte Qualität zersetzten Holzes für seine Larvenentwicklung braucht, wie der neu in der Entomologie des Basler Naturhistorischen Museums tätige und im Vorstand des Vereins Käfer für Basel gewählte Christoph Germann 2017 mit Elsa Obrecht in den Entomo Helvetica (10: 147-150) beschrieben hat. Die beiden untersuchten ein Massenauftreten des Rindenrüsslers an zerfallendem Holz eines Urweltmammutbaums Metasequia glyptostroboides. In den Meriangärten fand man ein Exemplar in zerfallendem Holz eines liegen gelassenen Blutbuchenstamms. 

Oft treffe man ihn zusammen mit Weg- und Waldameisen an. Ob er nur die gleichen Nischen nutzt, oder von den Ameisen profitiert, weiss man nicht. 

Quelle: Borer et. al. Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaften beider Basel, Vol. 18, 2018, S. 43-44

OOPS: Samen- statt Blattflohkäfer!

Die Käferkennerinnen und -kenner haben das natürlich sofort bemerkt: Was wir als Wegerich-Blattflohkäfer Longitarsus scutellaris als Merian III/XII abgebildet hatten war keiner, sondern natürlich ein Geissrauten-Samenkäfer Bruchidius imbricornis, der noch in der Warteschlange steht, um später hier aufzutauchen. Das Ganze ist jetzt auf kaeferfuerbasel.ch korrigiert, aber damit bei den kommenden Begegnungen in den Meriangärten keine Fehler passieren hier nochmals  nun richtig: links der Wegerich-Blattflohkäfer, rechts der Geissrauten-Samenkäfer. Danke für die Hinweise.

Morgen erscheint als Merian V/XII der Rindenrüssler. 

MERIAN III/XII: Der Wegerich-Blattflohkäfer


Begabter Springer: Der Wegerich-Blattflohkäfer Longitarsus scutellaris (Skala 2mm). Foto Matthias Borer NHMB

Er gehört zu den auch bei uns zahlreich in über 200 Arten (!) lebenden Blattflohkäfern und hat ein gutes Springvermögen. Das hat ihm auch den Floh in den Namen gebracht.  Könnten wir so hoch springen, kämen wir glatt vom Basler Münsterplatz auf die Spitze des Martinskirchturms. Der Wegerich-Blattflohkäfer Longitarsus scutellaris, der am GEO-Tag der Natur 2017 in den Meriangärten gefunden wurde,  schätzt den Mittleren Wegerich Plantago media oder den Breitwegerich P. major als Lebensmittelpunkt. Die beiden Pflanzen wachsen, wie ihr Name andeutet, gern auf vielbegangenen Wegen. Der Käfer führt also ein ziemlich gefährliches Leben und kann seine Springfähigkeiten gebrauchen. Den Wegerich trifft man häufig an, seinen nach ihm benannten Blattflohkäfer aber nur selten. Für die Schweiz wurde er erst einmal  sicher nachgewiesen (Hugentobler 1966).

Die Arten der Gattung Longitarsus seien sich aber sehr ähnlich und darum das Bestimmen schwierig. Meist müsse man dafür die Geschlechtsorgane präparieren, schreiben Borer et al. in den Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaften beider Basel (Vol 18/2018 S. 43), wo sie über ihre Funde berichten

Tarsus heisst übrigens Fuss, scutellum ist lateinisch ein Schildchen

MERIAN II/XII: Buntfarbener Putzläufer

Anchomenus dorsalis: Buntfarbener Putzläufer. Skala 2mm. Foto Matthias Borer NHMB

Unter den Mitte Juni 2017 am GEO-Tag der Natur angetroffenen Käfern befand sich auch dieser schöne Laufkäfer aus der Familie der Carabidae. Der Anchomenus doralis ist in der Paläarktis (Nordafrika, Europa und Asien) häufig und kommt bei uns in tieferen Höhenlagen bis an die Hügelhänge vor. Der schlanke Körperbau und die Langen Beine zeichnen den schnellen Läufer aus. Den Putzläufer findet man gern an Acker- und Pionierpflanzen. Im Sommer sieht man ihn auf exponierten Grünlandflächen und Äckern. Den Getreidebauern und – bäuerinnen hilft er gegen Blattläuse. Dabei wechseln die Käfer nach reichem Mahle in Getreidefeldern so im Juli in die Krautsäume, Hecken und Gebüsche, wo sie auch überwintern. Will man also Blattlausfresser als Gehilfen haben, pflanzt man am besten naturnahe Flächen am Rand der Kulturen. 

  • Borer M. et al. Mitteilungen der Naurforschenden Gesellschaften beider Basel Vol 18/2018 Seiten 40/41